Nachrichten von einer kleinen grünen Insel im Atlantik
http://www.la-palma-aktuell.de/cc/news.php - Jun 19, 2013 2:46:06 AM - Oct 9, 2011 8:30:43 AM
Mittwoch 19.06.2013 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 16 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 50 % - Luftdruck 1016 hPa So lange dieser Wind weht, kann uns nichts passieren Elysische Winde "Vientos alisios", also himmlische Winde, sagt man hier, "Trade Winds" sagen pragmatisch die Engländer und "Passat" sagt man auf Deutsch, aber der Ursprung dieses Wortes soll aus dem Portugiesischen stammen und eben von "passar" kommen, was man auch mit passieren im Sinne von vorbeiziehen übersetzen kann. - Der Passat ist Kind des großen nordatlantischen Hochdrucksystems, welches die allermeiste Zeit im Jahr das Klima und auch das Wetter in der Region Nordatlantik bestimmt. - Das Hoch regelt auch den Zug der Tiefdruckgebiete, welche allesamt von West nach Ost über den Atlantik ziehen und eben meist so weit nach Norden geschoben werden, zumindest im stabileren Sommer, dass uns, aber auch die Sahel-Zone, kein Niederschlag erreicht. - Für die Kanarischen Insel, aber auch Madeira und die Azoren, und in kleineren Maße auch die Kapverdischen Inseln bedeutet die Präsenz des Passates auch die Verfügbarkeit von Wasser. - Die Kanaren erreicht der Passat aus Nord, Nordost und die Inseln mit den höheren Bergen, die saugen sich dann voll mit der Feuchtigkeit, welche die Passatwolken auf ihrem ständigen Rundkurs über den Atlantik aufgenommen haben. - Allerdings haben nicht alle Kanareninseln was davon, Lanzarote und Fuerteventura, die sind so flach, dass die Passatwolken ohne Niederschläge zu lassen über diese Inseln hinwegziehen können. - Das bringt zwar Kühlung, aber kein Wasser. - An den Inseln mit Bergen, wie eben auch La Palma, da gelingt es den Passatwolken nicht, unbeschadet vorbei zu ziehen, oft regnen sich die Wolken an der Nordostseite der Inseln ab, oder eben dichte Kiefernwälder wie bei uns "melken" den Passat sogar noch. - Dabei kann man ein interessantes Phänomen beobachten. - Wenn es regnet, flüchtet man sich in Ermangelung eines Hauses oder eines Regenschirmes schon mal unter einen Baum. - Das macht man auch hier so, sollte es aber nicht regnen, aber gerade dicker Passat den Wald durchströmen, dann muss man hier aufpassen, nicht unter den Bäumen zu stehen, denn da würde man nass, eben von den durch Kondensation gewonnenen Tropfen, die an den langen Nadeln der Kanarischen Kiefer herabregnen. - Ohne das Atlantische Hoch, und damit den Passat, wären wir nicht nur geographisch auf einer Höhe mit der Sahara, sondern auch wohl von der Vegetation so wie unser Nachbar Westafrika. - So aber sind wir ein blühender Garten, selbst wenn die Sonne den ganzen Tag scheint wie jetzt, gehen die Temperaturen im Schatten nicht weiter hoch als an die 24 Grad, denn ständig kühlt uns der Passat wieder auf angenehmen Temperaturen herab. - So können wir gerade jetzt beobachten, in Mitteleuropa zum Teil bis an die vierzig Grad, mit anschließenden Starkwettererscheinungen, bei uns vierundzwanzig Grad, man möchte von verkehrter Welt sprechen, wenn man eben nicht um diese himmlischen Winde weiß, die uns immer wieder beschützt haben. - Aber leider nicht immer. - Wenn das Hochdruckgebiet, welches man auch wegen seiner Kernlage über den Azoren deren Namen gegeben hat, mal "verrutscht", dann können wir auch in den Einfluss afrikanischer Luftmassen geraten, und dann wird es bei uns auch heiß. - Und dann können wir erneut ein interessantes Phänomen beobachten, denn im Sommer dreht sich dann das bekannte Temperaturschema: Oben kalt, unten warm, komplett um. - Das kommt durch den Einfluss des kühlenden Ozeans, und je weiter wir nach oben kommen, um so weniger kann der Atlantik Einfluss auf unser Wetter nehmen. - So sagt man auch, dass El Paso, die einzige Gemeinde der Insel, welche keinen Zugang zum Meer hat, und in manchen Höhenlagen bereits kontinentales Klima herrscht, die heißeste, wie auch kälteste Gemeinde der Insel ist. - In den oberen Lange Tacandes und der Montaña Enrique, hat man bereits Temperaturen von über 45 Grad gemessen, ebenso hat es dort aber auch schon mal geschneit. - Kommt selten vor, diesen Winter lag überhaupt kein Schnee auf der Insel, und wie es scheint, könnte dieser Sommer auch sehr mild werden, für den Juni sehen wir zumindest keine Hitzewelle auf uns zukommen, weiter ins Jahr hineinblicken können wir aber noch nicht. - Besonders im Sommer lieben wir unseren kühlenden Passat, sorgt der doch auch mit seiner Feuchtigkeit dafür, dass kein Waldbrand ausbrechen kann. - Noch nie hat es Feuer gegeben bei Passat, geht auch gar nicht, und darum wünschen wir uns keinen anderen Wind als diesen. Nur was aus Nordost kommt ist gut, alle anderen Windrichtungen können für Ärger sorgen, sei es heiße Luft aus Süden oder Wind aus Westen, der dann für Schwierigkeiten am Flughafen sorgt. - Passat, das ist unser Wind, und so lange der weht, kann uns nichts passieren.
Ein typisches Bild für La Palma bei normalem Hochdruck. - Die dichten Passatwolken schwappen über die Hänge der Cumbre Nueva von Ost nach West, um sich dann oberhalb El Pasos aufzulösen
Dienstag 18.06.2013 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 33 % - Luftdruck 1017 hPa Höchsttemperatur heute 23,2 Grad - niedrigste Temperatur 17,7 Grad Hexenverbrennung an San Juan Hauptstadt will die schlechte Laune vertreiben Bald ist San Juan Bautista, also der Johannistag, und nicht nur hier feiert man die Nacht davor mit großen Feuern. - Historiker meinen allerdings, dass die Kirche hier das eher heidnische Sonnenwendfest mit für sich vereinnahmt, und es eigentlich ein Irrtum ist, Johannisfeuer als religiöses Treiben zu bezeichnen. - Gut, die Weißwurst ist auch ein Irrtum, und unsere Auslegung der Glaubensregeln ist sowieso sehr von Pragmatik getragen. - Aber Hexen verbrennen am Johannistag, das ist nun wieder mal ganz was Neues, wobei es wohl Zeiten gab, da das wirklich vorgefallen ist und wohl fast täglich. - Die Hexe, welche in der Hauptstadt verbrannt wird, die ist von der Kunstakademie hergestellt worden, drei Meter fünfzig hoch, und wird am kommenden Samstag Abend angezündet. - Man will damit auch ein Stück Symbolik vermitteln, und zwar steht diese Hexe für die Krise, die man nun gegen ein Lächeln eintauschen will. - Da sehe ich allerdings auch wieder viele Fettnäpfchen stehen, aber wenn wir feiern wollen, dann sind wir nicht immer politisch und gesellschaftlich hundertprozentig auf der Höhe, hier entscheidet eben der Kavalier, was eine Delikt ist Der Johannistag ist ja auch eigentlich der 24. Juni, und nicht der 22. Juni, so wie man das nun in Santa Cruz feiert, aber man nimmt halt das Wochenende her, und da finde ich auch nichts dabei, wenn man sich nicht ganz korrekt an die Daten hält, auch immer wissend, dass die gesamte Kirchengeschichte nicht unbedingt auf genaue Daten geachtet hat. - Aber es wird nicht nur eine Hexe verbrannt, sondern die Feierei geht schon am frühen Morgen los. - Die Avenida Marítima wird da gesperrt und gegen zehn Uhr vormittags beginnt man auf der Uferstraße mit Aktivitäten für Kinder. - Es wird in der Pressemitteilung nicht genauer definiert, was denn da eigentlich gemacht wird, aber meistens gibt es diese aufgepumpten Hupfburgen, die trotz inflationärem Auftauchen immer noch von den Kleinen bestiegen werden. - Ich denke mal, die sind auch in der Lage in der Hauptstadt noch ein bisschen was anspruchsvolleres zu bieten, wir werden uns überraschen lassen. - Ab Mittag geht es dann mit musikalischen Vorstellungen los, die Musikschule schickt ihre Zöglinge, die an verschiedenen Plätzen der Stadt spielen werden. - Abends geht es dann richtig los. - Ab 20:00 Uhr treten dann "Los Viejos" (die Alten) auf, auf dem Platz gegenüber dem Rathaus, und um 21:00 Uhr das allseits beliebte Trio Zapatista, welches musikalisches Können mit beißender Satire verbindet, und um 22:00 Uhr dann heizt die Trommlergruppe ein und marschiert von der Plaza de Alameda bis hin zum Platz vor der Hafeneinfahrt, wo dann gegen 22:30 bis 23:00 Uhr die Hexe verbrennen wird. - Danach gibt es dort noch ein Konzert der Gruppe "Salvapantallas" was Bildschirmschoner heißt, und die sollten uns vielleicht auch mal erzählen, wie die zu dem Namen gekommen sind. - Die Hauptstadt gibt sich progressiv, die Krise wird weggelächelt, und natürlich steckt da wieder der Verband der Gewerbetreibenden dahinter, diese Mal allerdings mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Santa Cruz. - So meint der Bürgermeister auch, man könnte sich durchaus vorstellen, das jedes Jahr zu machen, nächstes Jahr hätte man dann auch einen schönen Strand wo man das machen könnte, ganz nach dem Vorbild der Stadt Las Palmas, wo die Johannesnacht immer an dem mondänen Stadtstrand Las Canteras gefeiert wird. - Wer Vorbilder hat, der kann sich wenigstens an was festhalten Fulanito de tal dice hoy: Como quien no quiere la cosa Als wenn jemand die Sache nicht wollte. - Wenn jemand etwas mit großer Gier oder Sehnsucht will, aber vorgibt, überhaupt nicht daran interessiert zu sein, dann zeigt man ihm mit diesen Worten, dass man sein Tun durchblickt hätte.
Dienstag 18.06.2013 09:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 17 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 58 % - Luftdruck 1015 hPa Corporate Identity für heimische Tuberkel Mercadillo in Los Llanos erhält Uniform Eine der größten Erfolgsgeschichten überhaupt, ist dieser sonntägliche Markt in Los Llanos. - Eigentlich entstand der aus Zufall, und auch aus Not getrieben, denn man duldete irgendwann nicht mehr den Verkauf von Lebensmitteln auf dem Flohmarkt in Argual, aber die Idee, die lokalen Landwirte zu unterstützen ist ja sowohl politisch wie gesellschaftlich korrekt und so erfand sich dann ein Erzeugermarkt unter den Eukalyptusbäumen am Ortseingang Los Llanos´ aus El Paso kommend. - Irgendwann griff die Stadt regelnd ein, da dieser "wilde Markt" nicht jedem gefiel, auf jeden Fall den Händlern nicht, welche in der Stadt einen Laden betreiben und die meckerten rum, dass eben auf dem Erzeugermarkt mehr Händler als Landwirte ihre Produkte anbieten würden. - Das war wohl auch eine Weile lang so, dann ging die Stadtverwaltung hin und verteilte Lizenzen, und wer zukünftig einen Stand aufstellen wollte, der musste halt vorher bewiesen haben, dass er Landwirt ist und auch alle dafür notwenigen Papiere besitzt. - Die Reihen lichteten sich, übrig blieb der harte Kern an Erzeugern und irgendwann hatte ein besonders pfiffiger Kopf die Idee, doch den Markt vom Stadtrand in die Innenstadt zu holen. - So wollte man den Markt noch attraktiver machen, und gleichzeitig die Innenstadt beleben, denn sonntags ist Los Llanos eigentlich eine Geisterstadt, nichts rührt sich, ein paar ältere Leute müssen vor die Tür, weil der Hund quengelt, aber das war es dann auch schon. - So zog man in die Avenida Dr. Fleming, die eigentliche Hauptstraße der Stadt, dort wo die großen Lorbeerbäume, die eigentlich Feigen sind, eine prächtige Promenade beschatten. - Das ist wirklich der ideale Platz für solch einen Markt, auch wenn es manchmal sogar drängelig werden kann, aber sowohl der Markt, wie auch das nähere Umfeld haben sehr mit dem Umzug gewonnen. - Die Cafés und auch Läden in der Umgebung haben nun sonntags geöffnet, da jetzt Bewegung in die Innenstadt gekommen ist, und die vielen Stände mit Obst und Gemüse locken Besucher und Bewohner des Aridanetals gleichzeitig. - Jetzt geht man noch einen Schritt weiter, nun gibt man sich selbst ein Stück Corporate Identity, was vormals anarchisch und nur mit Augenzwinkern legal war, das erhält nun Uniform. - Die Verkäufer bekommen Hemdchen und Schürzen mit einem Mercadillo-Logo und man wird zukünftig unter Verkaufszelten seine Ware anbieten, welche die Stadt extra angeschafft hat, nachdem der Baumschnitt der indischen Lorbeerbäume den Verkaufsständen den Schatten geraubt hat. - Gut, in ein paar Wochen ist der Schatten wieder da, ob man dann die Zelte noch weiter nutzt, das weiß ich noch nicht, aber dieser Markt ist wirklich eine absolute Erfolgsgeschichte und seitens der Stadt betont man auch immer wieder, dass man nicht ruht, um auf jeden Fall dafür zu sorgen, dass auch wirklich nur Landwirte dort die Plätze belegen, und keine Händler. - Dazu besucht man in periodischen Abständen die Betriebe der einzelnen Stände, um sich davon zu überzeugen, dass die wirklich Landwirtschaft betreiben. - Man will natürlich auf alle Fälle verhindern, dass sich Händler in diese Reihen drängen, um den Läden und auch der Markthalle, welche alle Wochentage offen hat, aber eben nicht Sonntags, keine Konkurrenz zu machen. - Aber es ist natürlich schon so, dass alles Obst und Gemüse, welches am Sonntag dort weggeschleppt wird, am Montag und Dienstag nicht in irgendwelchen Läden gekauft wird. - Auf der anderen Seite sind diese Märkte, welche inzwischen in fast allen Gemeinden abgehalten werden, so ziemlich die einzige Möglichkeit, lokale Produkte zu einem erschwinglichen Preis zu handeln. - Das tut der lokalen Landwirtschaft sehr gut und hat in den letzten Monaten und Jahren auch dazu geführt, dass wieder mehr Land bewirtschaftet wird als noch früher. - Nun will man in Los Llanos auch noch auf den Solidaritätszug aufspringen, man darf von seinen gekauften Produkten nun auch Spenden geben. Man kauft vier Tomaten und legt eine davon in extra dafür bereit gestellte Körbe, die dann am Ende des Marktes in die " Banco de Alimentos" gebracht werden, also der Sammelstelle für Lebensmittelspenden der Stadt. - Auch ist zu hoffen, dass die Händler selbst eben nach Ende der Verkaufszeit nicht gehandelte Ware dort hinbringen, damit diese Produkte dann unter den ärmeren Familien der Stadt verteilt werden können. - Was nicht so ganz geklärt ist, ob denn diese Lokalmärkte wie in Los Llanos den alteingesessenen Institutionen wie den Mercadillos in Puntagorda oder Mazo sehr viel Publikum abspenstig machen, oder ob da einfach viel mehr Menschen als noch vor ein paar Jahren die Liebe zu lokalen Produkten gefunden haben.
Montag 17.06.2013 18:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 22 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 64 % - Luftdruck 1016 hPa Höchsttemperatur heute 23,4 Grad - niedrigste Temperatur 17,6 Grad Himmelsknödel Auch Astrophysiker haben weltliche Hinterlassenschaften Ganz oben auf unserem höchsten Berg, dem Roque de Los Muchachos, da stehen eine ganze Reihe an Observatorien, unter anderen das "Grantecan", welches mit einem Primärspiegel von 10,4 Meter das größte seiner Art auf der Welt ist. - Die Physiker und auch Techniker, die wohnen zum großen Teil auch dort oben auf dem Berg, eine "Residencia" bietet ihnen Unterkunft und dort werden die auch verköstigt. - Das Wasser muss mühsam heraufgebracht werden und über das Abwasser machte man sich ganz viele Jahre einfach gar keine Gedanken, alle Einrichtungen dort hätte auch eine Kläranlage, allerdings sind das einfache Kammern, und das was hinten dabei rauskommt, das ist nicht wirklich geklärtes Wasser und sicherlich gerät so noch reichlich Schmutzwasser in die Umgebung. - Das bemängelt man nun seit einigen Jahren und drauf gekommen ist man auch deswegen, weil man ja auch noch einen Besucherpark plant dort oben auf dem Berg, und dann würden noch viel mehr Abwässer anfallen als jetzt, und man müsste sich eine andere Lösung überlegen. - Man fürchtet nun, die Abwässer vom Roque de Los Muchachos könnten die vielen Wasserspeicher im Inneren der Insel verschmutzen und deswegen ist das zum großen Thema geworden und auch wenn man wirklich diese Kammeranlagen dort hat, viele Beobachter sehen das nicht so gerne, und das Wasseramt hier hat deswegen auch noch keine Betriebserlaubnis für diese Anlagen gegeben. - Es ist also weiter in der Schwebe, wobei ja Abwässer aus menschlichem Stoffwechselprodukten nun wirklich keine Aufgabe für Basaltgestein sind, davon ist sicherlich keine Beeinträchtigung der unteren Wasserreserven zu befürchten. - Anders sieht es aber mit Reinigungsmitteln, Fett und anderen Stoffen aus, die eben auch mit ins Abwasser gelangen, weil man ja eben auch diese Kantine hat. - Die Reinigungsmittel allerdings, welche für das Reinigen der Spiegel benutzt werden, die werden sowieso getrennt entsorgt, die werden nämlich aufgefangen und gesammelt und dann von einem zugelassenen Entsorger abgeholt. - Nun schlägt man seitens des Observatoriums vor, doch die Abwässer mit einer Pflanzenkläranlage zu reinigen und dann erst in die Umgebung zu entlassen. - Das klingt zunächst gut, denn Pflanzenkläranlagen können, richtig gemacht und bedient, wirklich kleine Wunder vollbringen, und haben dazu auch noch den positiven Nebeneffekt, dass man das Wasser zum Gießen wiederverwenden kann, oder auch für eine erneute Nutzung als Brauchwasser. - Damit wäre man richtig progressiv an das Problem gegangen, allerdings mache ich mir Sorgen wegen der Lage dort. - Man ist schließlich auf einer Höhe von 2.400 Metern, jenseits der Baumgrenze und in kalten Winternächten sinken die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt, so dass mir nicht ganz klar ist, ob denn eine Pflanzenkläranlage unter diesen Bedingungen auch funktioniert. - Aber wir lassen uns doch immer wieder gerne überraschen, am liebsten positiv. Fulanito de tal dice hoy: Como pez en el agua Wie der Fisch im Wasser. - Wird genau so verwendet wie in der deutschen Sprache
Montag 17.06.2013 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1016 hPa Katerstimmung Spaßbad wird zur Spaßbremse Kollateralschäden des ungebremsten Wachstums kann man hier einige betrachten, und sowieso in Los Llanos wird man eigentlich täglich damit konfrontiert. - Aber es sind nicht nur Projekte und Bauten der Öffentlichen Hand, die an dieser ausgestreckten verhungert sind, auch der private Sektor hat sich zum Teil ganz heftig vergaloppiert. - Die Geschichte mit dem Parkhaus ist ja gerade noch mal gut gegangen, da hat ja noch eine lokale und solvente Baufirma eingegriffen, aber ein paar hundert Meter weiter dürfen wir ein anderes Projekt betrachten, welches wohl wirklich keine Zukunft mehr hat. - Oberhalb der Parkplätze an der Straße Ramón Pol steht ein bizarrer Rohbau, und fleißiger pflanzlicher Bewuchs auf dem Gelände zeugt davon, dass hier seit langem keine Schaufel mehr geschwungen wurde und die viele Säcke Zement, die dort noch lagern, sind längst hart geworden und nur noch als Füllmasse zu verwenden. - Dort sollte mal das "Complejo Deportivo y de Salud El Jable" entstehen, ein Spaßbad mit Wellnessabteilung und gesundheitlichem Anspruch, aber die privat finanzierte Initiative hat sich festgelaufen, es gab keine weiteren Kredite mehr für dieses Vorhaben, und wie es heißt, sind an die vier Millionen Euro verbaut und damit wohl auch verloren. - So ganz kann sich die Gemeinde Los Llanos aber auch nicht heraushalten aus der Geschichte, denn als man das Ding plante, da war die alte Rathausbesatzung der Coalición Canaria derart begeistert von der Idee mit dem Spaßbad, dass man den privaten Investoren sogar das Grundstück unentgeltlich zur Verfügung stellte. Man wollte unbedingt solch eine Badeanstalt haben, ganz gleich ob sich bereits die dunkleren Wolken des Ende der Kreditflut zu erkennen gaben und man eigentlich hätte gewarnt sein müssen, denn das einzige Hallenbad auf der Insel mit ähnlichem Anspruch, das "Baltavida" in Breña Alta, das funktioniert zwar prächtig, aber auch nur mit öffentlichen Zuschüssen der Gemeinde. - In Los Llanos sind noch ein paar weitere Fragen offen, waren denn auch die ersten vier Millionen Euro Kredite, oder war das Eigenanteil der Investoren, und warum baute man einfach drauf los, wo doch die Finanzierung nicht wirklich gesichert war, also die Zusagen der Banken wohl noch nicht gegeben waren. - Oder gab es diese Zusagen schon, aber man hielt diese später nach der Immobilien und Kreditkrise nicht mehr ein, das alles sollte vielleicht noch geklärt werden. Interessant dabei ist nun, dass ausgerechnet die politische Fraktion in Los Llanos fordert, der Investor solle das Grundstück zurück geben, die seinerzeit den Geldgeber geradezu gedrängelt hatte, doch dieses Spaßbad in Los Llanos zu errichten. - Die jetzige Opposition im Rathaus fordert nun den Gemeinderat auf, sich von dem Investor das Grundstück, und damit natürlich auch den darauf befindlichen Rohbau zu holen, denn der Betreiber der Arbeiten hätte verabredete Bedingungen nicht eingehalten und weder eine Verlängerung noch eine Pause für die Arbeiten beantragt. - Die Gretchenfrage ist aber doch, was soll denn die Stadt Los Llanos damit, heute ist ein rentabler Betrieb einer solchen Anlage noch weniger wahrscheinlich als das vor ein paar Jahren noch der Fall war und, man wird sich wohl eher um die Kosten für den Abriss des Rohbaus streiten müssen, als sich um weitere Finanzierung zu bemühen. - So wird das Spaßbad ganz eindeutig zur Spaßbremse und der schale Geschmack des Katers nach einer durchzechten Sause auf Pump klebt schwer über dieser ganzen Geschichte.
Sonntag 16.06.2013 10:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 65 % - Luftdruck 1016 hPa Irgendwo muss das Zeugs ja hin Asphalt und kein bisschen weise Es gibt nicht wirklich Neues zu berichten rund um die polemischen Asphaltwerke im Callejón de la Gata. - Es bleibt ein fragwürdiges Abtasten, und hier noch ein Gutachten und dort eine juristische Neubewertung, so lange der oberste kanarische Gerichtshof nicht den Einspruch gegen das Urteil vom Verwaltungsgericht verhandelt hat, so lange geht nichts weiter. - Dabei ist die Frage ja eigentlich gar nicht mehr auf juristischer Seite zu suchen, denn die Bevölkerung lehnt diese Asphaltwerke dort im Industriegebiet von Los Llanos deutlich ab, und es wäre die allererste Aufgabe des Stadtrates der Gemeinde Los Llanos diesem Wunsch der Bevölkerung zu entsprechen. - Aber so weit sind wir noch nicht, noch wird versucht den immer gleichen Kreisen ihre Obolusse weiter zu gewähren und da müssen wir wohl den Hintergrund für dieses klebrige Schauspiel suchen. - In wie weit diese Interessengruppen auch die kanarische Justiz beeinflussen können, das wage ich nicht zu deuten, allerdings bezweifeln andere Beobachter die Unabhängigkeit der hiesigen Justiz deutlich. - Es gibt immer wieder die Frage, ob man denn eigentlich nicht bereits genug hätte mit dem vorhandenen Asphaltwerk in Mazo. - Die Antwort ist klar, von der Menge her gibt es kein Problem, wohl aber nutzt man die Monopolstellung deutlich aus und es geht die Aussage um, dass man pro Tonne Asphalt fast den doppelten Preis nimmt, den man auf dem Festland oder Tenerife bezahlen muss. - Freie Wirtschaft nennt man so etwas, die verdienen sich nicht dumm und dämlich, sondern schlau, und können das eben so lange tun, bis Konkurrenz die Preise wieder auf ein normales Niveau absenkt. - Es gab auch schon andere Überlegungen, dass die Öffentliche Hand in die Branche Asphalt einsteigt um den Preis zu regulieren, aber da weiß man gar nicht so recht, wie das denn gehen könnte. - Die Firma "Sodepal" ist ein solche Firma der Öffentlichen Hand, eigentlich mal vorgesehen um lokale Produkte zu vermarkten, inzwischen aber ist diese Firma längst zum Tausendsassa geworden und betreut Tunnel und Straßen genau so wie man Radieschen in Beutel verpackt. - Es ist ja eigentlich nicht der Sinn der Sache, dass öffentliche Firmen privaten Unternehmern Konkurrenz bieten, aber die Situation auf einer solch kleinen Insel ist eben auch nicht vergleichbar mit der, einer flächigen Region, wo eben die Gemeinde oder der Landkreis sich Angebote von mehreren Anbietern geben lassen kann. - Was nicht geht ist, den Asphalt aus Tenerife kommen zu lassen, auch diese Version wird immer mal wieder angesprochen, aber das ist einfach unrealistisch. - Einmal dauert es viel zu lange den Asphalt zu transportieren, dann kommen die Fähren nachts an, wenn keiner mehr arbeitet und man müsste ja große Mengen dann auf einmal verarbeiten, also vergessen wir diesen Vorschlag einfach komplett. - Alle drei Parteien scheinen auf Inselebene sowieso längst einen neuen Standort zu suchen, unabhängig davon, wie die juristische Geschichte weitergeht, und da sind mehrere Standort im Gespräch, wobei wohl niemand dieses Ding haben will, das ist dabei auch schon klar geworden. - Fuencaliente und Mazo sind die meistgenannten Standorte, aber die Bürgermeister beider Gemeinden haben sich bereits dagegen ausgesprochen und nun taucht plötzlich die Kunde auf, eine Gemeinde im Nordwesten sei bereit, gegen Auflagen darüber zu verhandeln, sich als Standort für solche Schwerindustrie anzubieten. - Von Garafía wissen wir ja, dass die nicht wollen, also bleiben ja nur noch Puntagorda und Tijarafe übrig. - Das sind aber nur Gerüchte, nichts Genaues weiß man nicht, aber auch bei uns gilt der Satz, "Irgendwo muss das Zeugs ja hin", der aus dem Mund des BW-Ministerpräsidenten Kretschmann stammt, dort aber den Atommüll anspricht. - Dann haben wir ja fast ein Luxusproblem, wenn wir dagegen nur um Asphaltwerke streiten.
Samstag 15.06.2013 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 24 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 49 % - Luftdruck 1014 hPa Höchsttemperatur heute 24,9 Grad - niedrigste Temperatur 17,8 Grad Und leider ist alles Politik Wir sind wieder mal stinkig auf Madrid Der Sommer hat begonnen und damit auch wieder die Vorbereitung auf eventuelle Flächenbrände auf den Inseln. - Auch uns hatte es ja letzten Sommer erwischt, zweimal in El Paso, einmal in Mazo, aber viel schlimmer war es auf La Gomera, wo man wochenlang mit den Flammen zu tun hatte. - Dabei fällt mir erneut ein, dass man noch gar nichts von einem Ergebnis einer Untersuchung der Vorfälle gehört hat, warum man denn die Löschflugzeuge bereits wieder von der Insel geschickt hatte, obwohl das Feuer noch nicht komplett kontrolliert war und für jeden erkennbar eine erneute Hitzewelle auf die Inseln zukommen wird. - Vielleicht ist es einfach nicht zu mir vorgedrungen, oder vielleicht will man gar nicht alles ermitteln, da es eben um den Kopf des Inselpräsidenten gehen könnte. - Nun aber zum letzten väterlichen Kuss aus Madrid für die autonome Region Kanarische Inseln, und warum wir uns ab und zu wirklich wie ein ungeliebter Appendix Spaniens fühlen. - Die Vorbereitungen gegen die Waldbrände stehen an, und in dem Zusammenhang bot man der Region Kanarische Insel Candair-Löschflugzeuge an, ich glaube fünf an der Zahl. - Hier hatte man das immer mal wieder gefordert, dass man einige dieser Flugzeuge gleich auf den Kanaren stationieren soll, ansonsten musste man die immer von Festland erst anfordern und das dauert lange, denn die haben keine große Reichweite und müssen mehrfach zwischenlanden. - Nun bot man uns die Flugzeuge an, allerdings stellte es sich heraus, dass es sich um ausrangierte Maschinen handelt, und sich die Piloten der Luftwaffe sogar geweigert hätten, diese Maschinen zu fliegen. - Das ist natürlich wieder Öl im Getriebe der Regionalisten und die Coalición Canaria schäumt vor Wut über diese Missachtung der Kanarischen Inseln. - Macht man natürlich auch nicht, wenn die Maschinen wirklich in derart schlechtem Zustand sind, dass die Piloten sich weigern da einzusteigen, dann ist es mindestens geschmacklos die anderen anzubieten. - Allerdings wissen wir das ja auch nicht alles genau aus Erster Hand, sondern aus der Presse, und die macht halt auch aus diversen Informationen genau das, was gehört und gesehen werden soll. - Dabei erfahren wir aber auch, dass auf Tenerife in diesem Jahr neben den fünf Bell 412 auch noch ein dicker Kamow stationiert ist, der fast 5.000 Liter Wasser auf einmal abwerfen kann. - Dazu gesellt sich ein Löschflugzeug der staatlichen "Brif", es steht da zwar nicht, welche Maschine, aber wir wissen aus anderer Quelle, dass die "Brif" Canadair 215T fliegt und nehmen deswegen an, dass eine solche Maschine auf unserer Nachbarinsel stationiert ist. - Hier bei uns steht ein Bell 412 und dann kommen, oder sind schon da, zwei zweimotorige Sokol W3, die bei Puntagorda stationiert sind. - Der Kamow-Hubscharauber, der ist das eigentliche Medium welches sich die Brandbekämpfer hier wünschen, da eben ein Hubschrauber auch in schwierigem Gelände manövrieren kann, während die Flugzeuge Grenzen beachten müssen, wenn man in Schluchten Feuer löschen soll. - Wie kommt nun aber die Politik da hinein? Ganz einfach, in Madrid regiert die Partido Popular in absoluter Mehrheit und hier auf den Kanaren, eine unschöne und unsinnige Koalition aus Calición Canaria und den selbst ernannten Sozialisten der PSC/PSOE. - Und ein Minister in Madrid, genauer gesagt der "Superminister" José Manuel Soria, der war früher Inselpräsident Gran Canarias und dann Vizepräsident der autonomen Region Kanarische Inseln, und genau dem hat man mit der Bildung dieser "Koalition der Verlierer" den Posten abgenommen, den er immer haben wollte, nämlich den des Präsidenten des Gobierno de Canarias. - Das hat der Mann uns nie verziehen, dass er jetzt "nur" Minister in Madrid ist und knüppelt nun auf "seine" Kanarischen Inseln ein, wo immer es geht. -Wie viel daran wahr ist, das weiß ich nicht, aber genau so kommt das hier an. Fulanito de tal dice hoy: Como oro en paño Wie Gold im Tuch. - Wenn man etwas besonders hüten oder beschützen will, dann behandelt man das "wie Gold im Tuch". - Man könnte wohl auf Deutsch am besten sagen: Hüte es wie deinen Augapfel.
Da bekommen Feuerwehrleute feuchte Augen. - Die Kamow 32 A1
Samstag 15.06.2013 10:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 85 % - Luftdruck 1017 hPa Wohnzimmer El Paso Hausmusik zum Wochenende El Paso heißt der Weg, aber auch der Schritt, und paso a paso bedeutet langsam, machen wir alles Schritt für Schritt. - Warum unsere Gemeinde, heute sogar wirklich mit Stadtrechten versehen so heißt, das ist auch klar, denn wer den beschwerlichen Weg über die Cumbre Nueva genommen hat, um von einer Inselseite auf die andere zu gelangen, der machte hier erst mal Rast, auf seinem weiteren Weg ins Tal. - Es ist der günstigste Übergang da nördlich die Caldera de Taburiente und südlich die viel höhere Cumbre Vieja den Weg versperren. Früher war El Paso keine eigene Gemeinde, Tazacorte ebenfalls nicht, alles war Aridane, oder wie es heute heißt Los Llanos, und unsere Siedlung nur eben der Weg dorthin. - Der Weg wurde schließlich das Ziel, El Paso ist als Gemeinde selbstständig und seit dem bastelt man sich eine eigene Identität zusammen. - Als sehr ländliche Gemeinde scheint das ein klarer Weg zu sein, tief gläubig darüber hinaus, man könnte meinen, konservativer kann man überhaupt nicht eine Gesellschaft basteln. - Herausgekommen ist bislang, denn das gesellschaftliche Experiment El Paso ist ja noch nicht zu Ende, aber eine der progressivste Gemeinden der Insel überhaupt, mit einem höchst interessanten Innenleben, welches für die meisten Betrachter zu nächst verschlossen bleibt. - Ich kenne keine Gemeinde mit einer solch hohen Künstlerdichte, Musiker, Maler, Bildhauer und nirgendwo auf der Insel bewegen sich mehr rebellische Freigeister, als durch unsere Gemeinde, was sich selbst in der Politik niederschlägt. - Warum das so ist, das weiß ich nicht, vielleicht weil wir keinen Zugang zum Meer haben, die einzige Gemeinde der Insel sind, die nur Berge und sich selbst hat. - Vielleicht aber auch, weil eben niemand an El Paso vorbeikommt, jeder, der von der einen auf die andere Seite will, der muss seinen Stiefel (oder heute Gummi) bei uns abwetzen und vielleicht ist da eben von allem ein bisschen hängen geblieben, und wir wissen doch, die reine Rasse ist eine Momentaufnahme, die Mischung aber macht die Zukunft, so wie jede Promenadenmischung dem Pedigree-Schäferhund kognitiv einiges voraus hat. - Mindestens bauernschlau sind die Leute aus El Paso, beim ersten hingucken vielleicht grobschlächtig und missmutig, das aber dient nur der Abschreckung, man will sich Scharlatane und Störenfriede vom Hals halten, was meist auch gut gelingt. - (Die rutschen dann gleich weiter, bis nach Los Llanos auf die Plaza, und können dort dann mit hohlen Phrasen Großstädter begeistern) - El Paso ist ehrlich, zum Teil unerträglich ehrlich, nirgendwo auf der Insel ist es so heiß, oder so kalt, und nirgendwo auf der Insel ist La Palma authentischer als mitten drin, und da ist El Paso, nichts als El Paso. - Und dennoch gibt es auch mystische Räume in der Stadt, zwischen den alten Häusern, von denen jedes eine ganz eigene Geschichte erzählt und erzählen will, riecht und schmeckt es nach Geheimnissen, Freude, Leid und Schicksal. - Am Friedhof hört man nachts Rufe, an den Ruinen der Alma de Tacande klagt eine Mutter ihrem verstorbenen Kind hinterher und wenn man unter den Gipfeln der Cumbre Nueva steht, und die Brisa die Wolken einem ins Gesicht schlägt, dann spürt man die geheimnisvolle Kraft, welche diesen Ort wohl bewegt. - Mitten drin heißt bei Marita den Feierabend einläuten, dort an der alten Kirche, dem schönsten Fleck im Ort. - Bei einem Glas El Paso-Wein, also einem Tamanca kann man dann über die Fassaden der Altstadt blicken und fängt sich ein bisschen von dem mystischen Schauspiel ein. - Spielende Kinder, alte Frauen gehen gebückt zum letzten Dienst, dem Gottesdienst, junge Mädchen versuchen sich stelzend erwachsen zu bewegen, eine dösende Katze blinzelt in die Umgebung und junge Kerle kratzen sich immer an der falschen Stelle. - Mitten drin halt und wer das Privileg besitzt, der Zuschauer zu sein, der darf ruhig mal innehalten und sich gewiss werden, dass der Weg das Ziel sein kann. - Gestern Abend bringt der Zufall dann auch noch das Stadtorchester auf die Idee, direkt vor der alten Kirche ein Konzert abzuhalten, vierzig junge Menschen sitzen nicht am Computer, bolzen nicht auf dem Fußballplatz und saufen sich nicht in Koma, sondern musizieren herrlichste Stücke, für ein paar Zuschauer und einen dennoch robusten Applaus. - El Paso eben.
Verzeihen Sie bitte die schlechte Bildqualität, ich hatte Feierabend, und nur mit Handykamera bewaffnet
Freitag 14.06.2013 17:30 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 23 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 41 % - Luftdruck 1015 hPa Höchsttemperatur heute 24,1 Grad - niedrigste Temperatur 17,1 Grad Atlantic Odyssey Segelregatta von La Palma nach Grenada Bislang hat sich unsere Insel nicht gerade dadurch ausgezeichnet, ein bekanntes internationales Segelrevier zu sein. - Früher waren auch unsere Sporthäfen nicht wirklich lockend für Segler, das das hat sich ja mit der Privatisierung der beiden Sporthäfen in Puerto de Tazacorte und Santa Cruz de La Palma geändert. - Man kann immer noch schief dreingucken, wenn man mal überlegt, dass viele öffentliche Gelder, und ein Großteil davon europäische Fonds dazu hergenommen wurden, diese beiden Häfen aufzupimpen, und dann den Betrieb der Sporthäfen in private Hände zu legen. - Aber lassen wir das, ich glaube in Bezug auf fahrlässig abgegriffene Gelder der EU sind wir hier nicht die Spitzenreiter, und wir sind eben auch darauf angewiesen, dass Geld von außen kommt. - Nun hat man einen Coup gelandet, von dem man zwar heute noch nicht weiß, oder der auch wirklich gelingt, aber ich kann dazu nur gratulieren, denn wenn alles so flutscht, wie man sich das vorstellt, dann könnte La Palma auch zu einem bekannteren Ziel für den internationalen Segelsport werden. - Wie man Jimmy Cornell geködert hat, dazu später noch, aber selbst ich als Nichtsegler kannte diesen Namen, wohl von den Wind- und Strömungskarten her. Dieser im Segelsport höchst bekannte Mann, der richtet Neuauflagen der einst berühmten Segelregatta ARC (Atlantic Rally for Cruisers) aus die dann "Atlantic Odyssey" heißen. - Die erste Neuauflage die geht von Arrecife auf Lanzarote nach Martinique, und die zweite Ausgabe eben von Santa Cruz de La Palma nach St. Georges auf Grenada. - Da ich nicht wirklich viel vom Segeln verstehe und auch die "ARC" von früher her nicht kannte, lesen Sie doch den entsprechenden Artikel in der Zeitschrift yacht.de, dort beleuchtet man die Hintergründe um dieses Rennen. - Wie man es nun geschafft hat, Jimmy Cornell dazu zu bringen, aus Santa Cruz de La Palma als einen der Starthäfen zu machen, das hat was mit dem Sponsor der Regatta zu tun, nämlich dem Unternehmen "Puerto Calero", welcher unter anderen, raten Sie mal, welche Sporthäfen betreibt? - Richtig, wir verstehen uns und hier profitiert unsere Insel dann mal von dem Ehrgeiz des Sponsors. - Es ist nicht wirklich abzusehen, ob das eine große nautische Party wird, oder bald wieder in Vergessenheit gerät, aber auf jeden Fall ist es eine Chance für La Palma, sich bei den Seglern bekannt zu machen, die uns ja bislang nicht so häufig besucht haben, wie einige der anderen Kanareninseln. - Wir müssen ja auch bedenken, dass die Segler hier alle erst mal herkommen müssen, manche vielleicht schon ein paar Wochen vorher, und daraus kann man netten Umsatz machen und sich einigen Menschen auch positiv präsentieren. - Wir brauchen gute Werbung, Dinge rund um den Sport sind gut, und der Segelsport ist sicherlich positiv unterlegt, also sollten wir uns darauf freuen. - Ein bisschen besorgt bin ich allerdings mit dem Datum, denn die zweite Ausgabe der ARC (Atlantic Rally for Cruisers) ist der 12. Januar 2014 vorgesehen, und der Januar, der liegt bekanntermaßen im Winter, und der Atlantik kann dann auch vor unserer Haustür manchmal ziemlich ungastlich sein. - Aber so ist das wohl beim Segelsport, man ist immer auf das Wetter angewiesen, noch mehr als bei anderen Sportarten sogar. - Mast und Schotbruch und immer eine handbreit Scheine unterm Kissen, ich habe mir auf der Suche nach Jimmy Cornell zwangsweise auch ein paar Yachten ansehen müssen, und die Preise dazu gesehen. - Das muss Käpt´n Blaubär aber eine ganze Menge an guten Geschichten erzählen, um das Geld zusammen zu haben. Fulanito de tal dice hoy: Como llovido del cielo Wie vom Himmel geregnet. - Wie vom Himmel gefallen macht das verständlicher, aber bei uns ist Regen positiv unterlegt, was die Leute an Elbe und Donau vielleicht nicht wirklich so gerne hören. - Wenn etwas im passenden Moment geschieht, dann kommt das wie vom Himmel gefallen.
Die "Marina La Palma" als Starthafen für die Atlantic Odyssey
Freitag 14.06.2013 09:00 Uhr - El Paso - Westseite - 540 m Höhe Temperatur 18 Grad - Niederschlag 0 mm - Luftfeuchte 61 % - Luftdruck 1016 hPa Böser, böser Mai Die Tourismuszahlen tun weh Es war uns ja eigentlich klar, was der Sommer bringen wird, nämlich wenig. - Der Mai ist der erste Monat im Jahr im Sommerflugplan und damit auch der Monat, in dem sich die Anzahl der Flüge aus Deutschland und England drastisch reduzieren. - Das heißt zunächst, weniger Sitzplätze, höhere Preise, weniger Verfügbarkeit und wenn man, aus La Palma Sicht das Pech hat, in Norddeutschland zu wohnen, dann kann man von dort aus gar nicht mehr nach La Palma fliegen. - Dem entgegen steht allerdings, dass für den Juli bei der Condor noch reichlich Plätze vorhanden sind, und auch zu Preisen, die überhaupt nicht als hoch zu bezeichnen sind. - Wer also für den Juli noch zweifelt, der kann auch ruhig La Palma wieder ins Visier nehmen, es geht doch noch was. - Auf der anderen Seite aber muss uns das ja auch wieder sagen, dass es eben dann nicht alleine an der geringeren Verfügbarkeit liegt, warum die Zahl der Deutschen, die uns besuchen, deutlich rückläufig ist. - Und wenn die Fluggesellschaften Schwierigkeiten haben, diese lächerlich wenigen Flieger auch noch voll zu bekommen, dann entsteht ja auch gar kein Argument, um im kommenden Sommer wieder mehr Maschinen zu schicken. - Die interne Diskussion hier ist in vollem Gange und spätestens seit der Pleite mit dem Polen-Flieger im Juni steht einmal mehr unser Rat für Tourismus kräftig im Wind. - In der Tat wirkt sein Auftreten nicht gerade glücklich, aber so ganz allein seine Schuld ist das nicht. - Wir haben alle keine wirkliche Generalerklärung dafür, nur eben, dass die Verfügbarkeit von Reiseverbindungen natürlich an allererster Stelle steht. - Die größte interne Diskussion geht grob gesagt darum, ob man sich als touristisches Modell an den bereits vorhandenen orientieren soll, also Golfplatz und noch mehr Hotels, um für die globalen Reiseveranstalter interessant zu werden, oder ob man sich genau andersherum verhalten sollte und rein auf Nische setzen, auf alternativ und authentische Qualität. - Für mich keine Frage, allerdings haben wir halt bislang, und da muss man eben wirklich die Vorgänger des heutigen Tourismusrats kräftig ins Gebet nehmen, niemals ein glaubhaftes wie konsequentes Marketing betrieben. - Wir haben einfach alles beworben, was uns so zugefallen ist, Weltbiosphärenreservat auf der einen Seite, dann schnell ein 2.000 Betten Hotel gebaut, wir faseln von "Slow City" und denken an eine Autobahn die kein Mensch braucht, und schließen uns der Bewegung "Go Green" an und verwechseln das mit dem Green auf dem Golfplatz. - Das ergibt nichts Greifbares und wir können heilfroh sein, dass wir von einer guten Basis an Wiederkehrern zehren können, die längst ihr eigenes Bild von dieser Insel zur Hand haben. - Jetzt die Zahlen zum Heulen und Zähneklappern, die stammen aus der Statistik des Flughafenbetreibers und die sind nicht geschönt oder gar anders herum. - Im Mai dieses Jahres sank die Zahl der internationalen Gäste, welche uns besucht haben um knappe 25% und auch die nationalen Passagiere wurden weniger, dort sank die Zahl um 13,8 Prozent. - Betrachten wir nur die Flüge aus Deutschland, dann sind das sogar 36% weniger Passagiere als noch im Mai des vergangenen Jahres, und das tut dann doch gewaltig weh. - Zugelegt haben die Niederländer und Belgier, sodass die Gesamtzahl des Defizites nicht so enorm ist. - Aber wie gesagt, es gibt noch Plätze im Juli, und freie Betten sowieso, und wir sollten nun den Spieß mal umdrehen und nicht mehr jammern über die Gäste, die nicht kommen, sondern dankbar sein denen, die uns weiter besuchen. - Man könnte es fast Demut nennen.